Tierhaltung

Die Nutztierhaltung ist ein wichtiger Teil der Aargauer Landwirtschaft. Rund 300 Mio. Franken oder 49% des gesamten Umsatzes der Aargauer Landwirtschaft werden von der Tierhaltung erbracht. Die Schweiz hat international gesehen eine der strengsten Tierschutzvorschriften. Zwei Drittel der Aargauer Betriebe nehmen an freiwilligen Tierwohlprogrammen (BTS/RAUS) teil. BTS steht für «besonders tierfreundliche Stallhaltungssysteme» und RAUS bedeutet «Regelmässiger Auslauf ins Freie». Das Resultat: Fleisch in zuverlässig hoher Qualität.


Dem Tierwohl verpflichtet
Im Aargau werden von der landwirtschaftlichen Nutzfläche 33'000 ha als Wiesen oder Weide genutzt. Das sind ¼ der Kantonsfläche. Für die menschliche Ernährung können wir dieses Land nur über die Haltung von raufutter-fressenden Tieren wie Kühen, Schafen oder Ziegen nutzen. Das strenge Schweizer Tierschutzgesetz schützt das Wohlergehen und die Würde unserer Tiere und geniesst international Vorbildcharakter. Keinem Tier darf Schmerz, Leid oder Schaden zugefügt werden. Im Gegensatz zu benachbarten Ländern sind bei uns das Coupieren (=Abschneiden) von Schnäbeln bei Hühnern und der Schwänze bei Schweinen verboten. Das Kastrieren der Ferkel sowie das Enthornen der Kälber dürfen nur nach sachgemässer Betäubung und Schmerzausschaltung durch Fachpersonen erfolgen. Die Batteriehaltung bei den Legehennen ist in unserem Land seit 30 Jahren verboten! Unser Tierschutzgesetz regelt, wie viel Platz jede Tierart im Stall mindestens haben muss, wie viel Auslauf, wie viele Tiere pro Betrieb maximal erlaubt sind oder wie und wie lange sie transportiert werden dürfen.


Tierhaltung ist sinnvoll
Wir brauchen Tiere, um unser weit verbreitetes Grasland zu nutzen. Das macht sie auch unentbehrlich für die Landschaftspflege und das Landschaftsbild. Nutztiere produzieren zudem wertvollen Mist und Gülle, welche die Bodenfruchtbarkeit fördern. Tierische Produkte sind wertvolle Lebensmittel. Erfreulicherweise steigt das Bewusstsein wieder, dass man die Tiere von „nose to tail“ (also alle Stücke) isst, statt nur Filet und Steak. Fazit: Lieber einmal ein Gnagi oder Kutteln statt Filet und Entrecote und dafür bewusst Schweizer Fleisch – vielleicht sogar aus Labelproduktion – geniessen.


Keine Massentierhaltung
Die Schweizer Bauern tragen Sorge zu ihren Nutztieren. Es ist ihnen wichtig, dass es ihren Kühen, Schweinen oder Geflügel gut geht, denn nur gesunde Tiere sind auch wirtschaftliche Tiere. Bei Geflügel und Schweinen haben wir vorgeschriebene Höchsttierbestände. Ein Hühnerstall darf maximal 18‘000 erwachsene Tiere beherbergen. In Deutschland findet man Betriebe, die 600‘000
 Hühner halten! Bei den Mastschweinen ist die Zahl auf 2000 Tiere, bei Zuchtsauen auf 250 Tiere pro Betrieb begrenzt. Zusätzlich zum Tierschutzgesetz gibt es bei uns staatliche Förderprogramme für noch tierfreundlichere Haltungen wie „Besonders tierfreundliche Stallhaltungssysteme (BTS)“ oder „Regelmässiger Auslauf im Freien (RAUS)“. Beim BTS-Programm werden die Tiere in Gruppen gehalten, Rinder bewegen sich in einem Laufstall, unterteilt mit Liege- und Tränkebereich, und erhalten viel Licht sowie frische Einstreu. Im RAUS-Programm können die Tiere selbstständig auf die Weide oder in einen Laufhof. Aktuell leben rund 82 Prozent aller Kühe und Rinder nach RAUS-Standard und 55 Prozent profitieren vom BTS-Programm. Und die Beteiligung wächst jährlich weiter. Beim Rindvieh stieg der Anteil BTS in den letzten 15 Jahren jährlich um bis zu +6.5 Prozent.


Die Schweiz ist Spitzenreiterin
In der Schweiz sind die Tiere deutlich besser geschützt als in den Ländern der EU. Ihre Richtlinien auf der anderen Seite sind wiederum strenger als jene in Südamerika oder Asien. Vor allem haben wir in der Schweiz deutlich mehr Bereiche geregelt. Das fängt bei der Ausbildungsanforderung für Tierhalter an, geht über Vorschriften zu Platzbedarf, Einstreu, Auslauf, Lärm, Licht, Fütterung über Vollzug und Kontrolle bis hin zur maximalen Transportzeit. Mit dem steigenden Wohlstand weltweit steigt der Fleischkonsum. Heute wird global gesehen doppelt so viel Fleisch gegessen als vor 30 Jahren. Vor allem Russland, China und die Südamerikanischen Staaten haben ihre Produktion stark ausgebaut. Tierschutzbestimmungen und ihre Kontrolle gibt es in diesen Ländern nicht. Meist ist – wenn überhaupt – nur die Lebensmittelsicherheit bei der Tiergesundheit und Schlachtung geregelt.


Darf es ein bisschen mehr sein?
Vielleicht finden Sie als Konsument gesetzlichen Auflagen, welche die Basis der Schweizer Produktion darstellen, nicht ausreichend? In diesem Fall können Sie aus zahlreichen Label auswählen, die dem Tierwohl einen noch höheren Stellenwert einräumen: Schweizer Biofleisch, Weide- und Naturabeef oder IP-Suisse um einige Beispiele zu nennen. Als Konsument entscheiden Sie mit Ihrem Kaufverhalten mit, wie gut es den Tieren geht. Denn das Angebot folgt der Nachfrage. Der Labelanteil beträgt heute je nach Tierkategorie zwischen 15 und 40 Prozent. Über alles betrachtet liegt er bei rund einem Drittel. Es gibt also viel Luft nach oben! Klar ist allerdings auch, dass jede Art zusätzlicher Anforderungen an die Haltung oder Fütterung höhere Kosten mit sich bringt. Maximales Tierwohl und minimale Preise passen nicht zusammen.


Weitere Infos zum Thema Tierwohl: https://www.verantwortungsvolle-landwirtschaft.ch/de/verantwortungsvoll-in/tierhaltung.html

Milchviehhaltung
Milchviehhaltung
Milch – ein starkes Naturprodukt

Viele Milchkühe von den 772 Milchviehbetrieben im Aargau holen sich das Futter direkt auf der Weide oder fressen Dürrfutter, Gras- und Maissilage. Diese für den Menschen nicht verwertbaren Pflanzen werden durch die Milchkuh in ein hochwertiges Lebensmittel verwandelt. Die drei Hauptrassen sind die rot gefleckten Red Holstein, die schwarz gefleckten Holstein und die braunen Brown Swiss.


Viel Auslauf und besonders tierfreundliche Stallungen sorgen für gesunde und glückliche Kühe. So gewährleisten die Aargauer Landwirte Milch von höchster Qualität!
Gut zu wissen
Gut zu Wissen
Im Kanton Aargau geben die Milchkühe dank der guten Futtergrundlage viel Milch. Eine durchschnittliche Kuh produziert rund 24 kg Milch pro Tag. Um diese Milchmenge zu produzieren frisst sie täglich 100 kg Gras oder 20 kg Heu und trinkt gegen 100 Liter Wasser. So erreichen jedes Jahr über 250 Kühe eine Lebensleistung von mehr als 75'000 kg Milch.