Suchen stets neue Herausforderungen: Corina und Marcel Weiss
Suchen stets neue Herausforderungen: Corina und Marcel Weiss
Monatshof August, 2021

Brügglihof, Sulz

Bauchgefühl für feine Produkte

Äpfel, Birnen, Kirschen und Zwetschgen – auf ihrem vielseitigen Brügglihof in Sulz haben sich Corina und Marcel Weiss auf die Produktion von Trockenfrüchten spezialisiert. Daneben suchen sie stets neue Herausforderungen mit aussergewöhnlichen Projekten.

Davon träumen nicht nur Kinder: Direkt aus dem Hahnen fliesst ein dicker Strahl feinster Schokolade! Corina und Marcel Weiss tauchen getrocknete Apfelringe bis zur Hälfte in die warme Schockolade und legen sie zum Abkühlen auf Bleche aus. Die Schoggiöpfeli sind eine von vielen Spezialitäten aus ihrer innovativen Produktion.

Schonende Konservierung

Seit 1997 betreiben sie die hofeigene Trocknerei. In vier grossen Trockenschränken entziehen sie den Früchten das Wasser. Die traditionelle Methode macht das Obst äusserst schonend haltbar, und sie bringt den Charakter der Früchte von süss bis säuerlich perfekt zum Ausdruck.

Mit ihren hochwertigen Produkten beliefern Corina und Marcel Weiss Coop Nordwestschweiz, Landi, kleine Verkaufsstellen und Hofläden. Marcel Weiss: «Unser Hof liegt sehr abgeschieden. Die Direktvermarktung in einem eigenen Hofladen würde ökologisch keinen Sinn machen.»

Der Brügglihof liegt hoch über Sulz auf rund 500 Metern. Der Blick geht weit in die sanfte Hügellandschaft des Fricktals. Es war Marcel Weiss’ Vater, der 1965 aus dem Dorf auswanderte und die Siedlung mitten im Grünen baute. Jeanine, Michael und Joel, die drei erwachsenen Kinder von Corina und Marcel Weiss helfen in ihrer Freizeit tatkräftig mit auf dem elterlichen Hof.

Aussergewöhnliche Apfelsorten

Die wichtigste Kultur auf dem Brügglihof sind Äpfel unterschiedlicher Sorten, die Corina und Marcel Weiss auf 8000 Quadratmetern produzieren. Rund 90 Prozent der Äpfel verarbeiten sie in der Hoftrocknerei zu Apfelringli. Die rund 30 Tonnen Früchte schrumpfen beim schonenden Trocknungsprozess auf ein Zehntel ihres Gewichts. Der feine Geschmack und die gesunden Bestandteile bleiben erhalten.

Eine Spezialität sind die rotfleischigen Sorten Weirouge und Baya Marisa. Ihr herber, säuerlicher Geschmack ist eine wahre Gaumenfreude! Unter dem edlen Namen Gräfin Goldach ist eine weitere aussergewöhnliche Sorte bekannt, die auf dem Brügglihof produziert wird. Diesen Apfel können auch Allergiker geniessen, denn er weist eine besonders tiefe Konzentration jenes Eiweisses auf, das die allergische Reaktion verursacht.

In einer modernen Anlage mit Regendach produzieren Corina und Marcel Weiss zudem Kirschen auf einer Fläche von 6000 Quadratmetern. Der Grossteil der Ernte geht als Tafelkirschen in den Handel. Die alte Sorte Dolleseppler, besonders süss und aromatisch, verwenden sie zum Trocknen.

Zwetschgen wachsen auf dem Brügglihof auf einer Fläche von 5000 Quadratmetern. Früchte, die für den Handel bereits zu reif sind, trocknen Corina und Marcel Weiss ebenfalls direkt auf dem Hof. Das ist eine aufwendige Arbeit. Jede Zwetschge wird von Hand halbiert und entsteint.

Bauchgefühl und gute Nase

Vor zwei Jahren haben sich Corina und Marcel Weiss in ein neues Abenteuer gestürzt: Sie haben Haselnusssträucher und Eichen gepflanzt, die mit Sporen des begehrten Trüffel-Pilzes imprägniert sind. Wenn alles gut läuft, sollten sie in fünf Jahren die ersten Trüffel ausgraben können. Hofhund Alba, ein reinrassiger Lagotto Romagnolo, der die Trüffelsuche im Blut hat, trainiert bereits.

Marcel Weiss: «Bei den Trüffeln ist es wie beim Obstbau: Zuerst investiert man viel Geld, dann muss man die Pflanzen zuerst einige Jahre lang hegen und pflegen bevor sie die ersten Erträge abwerfen. Ist eine bestimmte Sorte bis dann bei den Konsumentinnen und Konsumenten bereits wieder out, hat man Pech gehabt.»

Nach der Pflanzung neuer Obstbäume dauert es rund drei bis vier Jahre bis zur ersten Ernte und sogar zehn Jahre bis sie den vollen Ertrag abwerfen. Corina und Marcel Weiss müssen sich also ganz genau überlegen, auf welche Sorten sie setzen wollen. Marcel Weiss: «Man muss ein sehr gutes Bauchgefühl entwickeln, um vorauszusehen, auf was die Konsumentinnen und Konsumenten in zehn Jahren Lust haben.»

Stets neue Projekte

Auf ihr Bauchgefühl haben Corina und Marcel Weiss auch gehört, als sie letztes Jahr 100 Nussbäume pflanzten. Bis zu den ersten Erträgen wird es etliche Jahre dauern. Corina Weiss: «Wir gehen davon aus, dass die vegetarische Ernährung in Zukunft immer beliebter wird. Dann werden wir mit einem Baumnussöl voll im Trend liegen.» Aber eben: Garantieren kann den Trend niemand.

Satt macht der Brügglihof aber auch Konsumentinnen und Konsumenten, die nach wie vor Fleisch auf dem Teller schätzen. Corina und Marcel Weiss betreiben eine Rindermast mit rund 120 Tieren nach den Richtlinien der Tierwohlprogramme BTS und RAUS (siehe Kasten). Sie setzen auf Qualität statt Quantität. Marcel Weiss ist überzeugt, dass sich Fleisch immer mehr zu einem Genussmittel entwickeln wird, das nicht täglich auf dem Teller landet.

Weitere Standbeine sind der Ackerbau mit Mais, Raps und etwas Getreide sowie der Futterbau für die Rindermast. Die 35 Hektaren des Brügglihofs liegen in der Hügelzone. Darum bietet sich die Grasproduktion für Silage und Heu besonders an.

Während der Erntezeit beschäftigt Marcel Weiss einen Saisonier aus Polen, der dieses Jahr bereits zum dritten Mal ins Fricktal reiste. «Aber ohne zusätzliche Helferinnen und Helfer aus dem Familien- und Freundeskreis, die kurzfristige Ernteeinsätze leisten können, ginge es nicht. Je nach Witterungsverhältnissen bleiben zum Beispiel bei den Kirschen pro Sorte gerade einmal zwei oder drei Tage für die Ernte. Da brauchen wir jede helfende Hand, die wir finden können!»

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Brügglihof

Fläche 35 Hektaren
Äpfel, Birnen 80 Ar
Kirschen 60 Ar
Zwetschgen 50 Ar
Rindermast 120 Tiere
Ackerbau  
Futterbau  
Adresse