Ruth und Rudolf Bolliger, Daniel und Andrea mit den Kindern Jan, Kim und Mia (v.l.n.r.)
Drei Generationen unter einem Dach: Ruth und Rudolf Bolliger, Daniel und Andrea mit den Kindern Jan, Kim und Mia (v.l.n.r.)
Monatshof Januar, 2021

Generationengemeinschaft Bolliger, Schmiedrued

Das lohnt sich!

Als vielfältiges Lohnunternehmen unterhält die Generationengemeinschaft Bolliger in Schmiedrued mit ihrer Firma Bolliger Agrar-Dienste einen eindrücklichen Fuhr- und Maschinenpark. Dieser wird während der Wintermonate geputzt, gewartet und repariert.

«Alleine um unsere zwei Mähdrescher zu reinigen und zu warten arbeiten zwei Leute rund zwei Wochen lang», betont Daniel Bolliger. Ein grosser zeitlicher und finanzieller Aufwand. «Der lohnt sich aber», ist der Landwirt überzeugt. Während der Saison müssen die Maschinen absolut zuverlässig funktionieren. Denn Zeit für Reparaturen bleibt dann keine. Und Ausfälle hätten schwerwiegende Folgen.

Aus der modernen Landwirtschaft sind Lohnunternehmer nicht mehr wegzudenken. Sie führen gegen Rechnung vielfältige Arbeiten von Säen, Düngen und Pflanzenschutz bis zur Ernte, Bodenbearbeitung und diversen Transporten. Lohnunternehmer wie Daniel Bolliger arbeiten mit modernsten Maschinen, die nicht nur sehr teuer, sondern auch komplex in der Bedienung sind. Eine Anschaffung rechnet sich für einen einzelnen Betrieb darum nicht.

Modernste Maschinen und viel Erfahrung

Von den modernen Maschinen und der jahrelangen Erfahrung profitiert nicht nur der Kunde, auch die Natur. Beim Ausbringen von Nährstoffen und Pflanzenschutzmitteln kann Daniel Bolliger die Dosierung präzis steuern. Denn der Grundsatz ist bei Nährstoffen und Pflanzenschutzmitteln der gleiche: So wenig wie möglich, so viel wie nötig!

Die Bolliger Agrardienste betreuen für ihre Kunden rund 800 bis 1000 Hektaren Landwirtschaftsfläche. Geleitet wird die Firma von Ruth und Rudolf Bolliger sowie ihrem Sohn Daniel. Die drei bilden eine Generationengemeinschaft. Rudolf ist Fachmann für den Ökologischen Leistungsnachweis (ÖLN, siehe unten) und berechnet für seine Kunden Nährstoffbilanzen. Ruth Bolliger macht die Buchhaltung. Daniels Frau Andrea hält den Haushalt in Schwung und kümmert sich um die drei Kleinsten auf dem Betrieb: Jan, Mia und Kim. Je nach Saison beschäftigen sie fünf bis sechs Vollzeitangestellte und während der Belastungsspitzen etliche Aushilfen. 

Und wie kamen die Bolligers überhaupt zur Lohnarbeit? Daniel Bolliger: «Wenn man wie wir einen kleinen Betrieb mit 14 Hektaren Land in der Hügelzone hat, muss man sich etwas einfallen lassen.» Es sind dieses Jahr schon dreissig Jahre! Nebst der Lohnarbeit betreibt die Familie eine Pouletmast mit 12'000 Tieren und betreibt Ackerbau. Rund drei Hektaren sind als Ökoflächen ausgeschieden.

Kurzfristige Planung

Daniel Bolliger muss äusserst flexibel sein: «Die Lohnarbeit ist ein Tagesgeschäft. Oft weiss ich am Morgen noch nicht, was für Arbeiten anstehen. Und ruft ein Kunde an, will er sofort wissen, ob wir den Auftrag übernehmen können.» Sind die Wetterverhältnisse für eine bestimmte Feldarbeit optimal, wollen ihn alle gleichzeitig buchen. Dann sind Improvisationstalent und flexible Helfer gefragt.

Massgeschneiderte Spezialanfertigungen

Wie viele Maschinen, Anhänger und sonstige landwirtschaftliche Geräte er in Betrieb hat, kann Daniel Bolliger nicht auswendig sagen: «Ich weiss nur, dass wir 37 Kontrollschilder eingelöst haben!» Auf der Webseite der Firma findet sich eine endlos lange Liste mit dem ganzen Fuhr- und Maschinenpark. Werkstattchef Roland Suter sagt: «Fast alle Maschinen sind massgeschneidert und wurden von uns auf die speziellen Anforderungen hin angepasst.»

Besonders eindrücklich sind vier riesige Gülleanhänger mit 26'000 und 28'000 Liter Fassungsvermögen. Daniel Bolliger: «Bei der Konstruktion haben wir eng mit dem Hersteller zusammengearbeitet, damit die Tanks unseren Anforderungen optimal entsprechen.» Die Tankanhänger bringen die Gülle bis an den Feldrand. Von dort wird sie mit bis zu 600 Meter Verschlauchung ausgebracht. Das Güllen mit Schläuchen ist besonders boden- und umweltschonend, da viel weniger Ammoniak in die Atmosphäre entweicht.

Spezialmaschinen für aussergewöhnliche Arbeiten

Gerade baut der Werkstattchef einen neuen Kalkstreuer um, den er aufwendig an die hügeligen Verhältnisse in ihrem Einzugsgebiet anpasst. Kalkstreuer kommen zum Einsatz, wenn ein Boden zu sauer ist. In den Wintermonaten räumt Daniel Bolliger mit Spezialgeräten etwa Bäche frei, lichtet Hecken aus und bohrt mithilfe einer Spezialkonstruktion am Quad Bodenproben. Diese lässt er für seine Kunden auch gleich analysieren.

Bodenproben sind ein Eckpfeiler des Ökologischen Leistungsnachweises (ÖLN) des Bundes. Landwirte müssen von sämtlichen bewirtschafteten Parzellen regelmässig Proben einreichen. Diese geben Auskunft über pH-Wert, Phosphor- und Kaliumgehalt sowie weitere wichtige Parameter zur Bestimmung der Bodenqualität. Der ÖLN ist die Voraussetzung für den Bezug von Direktzahlungen.

Trinkwasserinitiative: Viel steht auf dem Spiel

Die Trinkwasserinitiative, die am 13. Juni 2021 an die Urne kommt, will die Anforderungen des ÖLN massiv verschärfen. Geht es nach den Initianten, erfüllt der ÖLN künftig faktisch den Bio-Standard – dies ungeachtet der Tatsache, dass in der Schweiz gerade einmal zwölf Prozent der Konsumentinnen und Konsumenten Bio-Produkte einkaufen.

Daniel und Rudolf Bolliger werden nachdenklich, wenn sie sich vorstellen, wie die Landwirtschaft nach einer Annahme der Initiative aussehen würde. Rudolf Bolliger schüttelt den Kopf und sagt: «Ein Berufsleben lang hält man sich an alle Vorschriften und Bestimmungen, arbeitet nach bestem Wissen und Gewissen. Und dann ist plötzlich alles falsch was man macht. Mittlerweile stehen wir Landwirte doch unter Generalverdacht!»

Generationengemeinschaft Bolliger

15 Hektaren, Hügelzone
6,0 ha Ackerland
5.5 ha Natur und Kunstwiesen
2.5 ha Ökofläche (extensiv genutztes Wiesland)

Lohnarbeit
, diverse Spezialarbeiten und Beratungen

Pouletmast
12'000 Tiere

Ackerbau
Getreide, Mais, Raps

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