Innovativ: Alfred und Nadja Vogt mit ihren Freilandschweinen
Innovativ: Alfred und Nadja Vogt mit ihren Freilandschweinen
Monatshof Mai, 2021

Bronnehof, Scherz

Innovativ und extensiv

Landwirt Alfred Vogt trainiert seine Freilandschweine für Säulirennen. Den Acker- und Futterbau seines Bronnehofs in Scherz betreibt er so extensiv wie möglich.

«Das Schwein ist ein neugieriges und verspieltes aber gleichzeitig schreckhaftes Tier. Das ist die grosse Herausforderung, wenn ich die Tiere für die Säulirennen trainiere», sagt Alfred Vogt. Vor einem Rennen arbeitet er während vier bis sechs Wochen zweimal täglich mit der Gruppe. Spielerisch lernen die Schweine, dass es sich lohnt, möglichst schnell ins Ziel zu rennen. Denn dort wartet eine Belohnung auf sie.

In den Trainings spielt Alfred Vogt laute Musik ab, damit sich die Tiere an die Atmosphäre einer grossen Veranstaltung gewöhnen. Und selbst das Mäntelchen mit der Startnummer tragen die Tiere bereits im Training, um sich an das ungewohnte und kitzelige Gefühl zu gewöhnen.

Die Krux beim Geschäft mit den schnellen Schweinen: Mit jedem Tag werden sie dicker und träger. Gerade einmal vier bis sechs Wochen lang kann Alfred Vogt austrainierte Jungtiere bei Rennen einsetzen. Darum muss er laufend neue Gruppen trainieren.

Krisenfest dank vielseitigem Betrieb

Alfred Vogts Säulirennen sind die Attraktion zahlreicher Messen und Volksfeste im Aargau wie auch in vielen Deutschschweizer Kantonen. Er verdient mit ihnen einen beachtlichen Teil seines Einkommens. Doch dann kam die Corona-Krise und mit ihr die Absage aller Publikumsanlässe. Von einem Tag auf den anderen brach sein wichtigster Betriebszweig weg. Alfred Vogt trägt es mit Fassung: «In der Ausbildung zum Meisterlandwirt wurde uns stets gesagt, der Erfolg liege in der Spezialisierung. Doch ich setzte immer schon auf eine möglichst vielseitige Ausrichtung meines Betriebs. Das zahlt sich jetzt aus.» Der ebenfalls seit Jahren gut laufende Fleischverkauf der Freilandschweine konnte massiv ausgebaut werden. Heute verkaufen Vogts fast die Hälfte aller Schweine selber ab Hof.

Alfred Vogt übernahm den Betrieb in Scherz 2004 von seinem Vater. Er betreibt den Bronnehof gemeinsam mit seiner Frau Nadja. Die erwachsenen Kinder Katja und Livio helfen noch sporadisch aus. Der Hof bewirtschaftet eine Fläche von 35 Hektaren. Weil sich der Betrieb im Dorf befindet, musste sich Vogt gut überlegen, wie er überhaupt weiterwachsen kann, um für die Zukunft gewappnet zu sein.

Tägliche Kontrollen

Seine aussergewöhnliche Lösung: Er mästet rund 250 Freilandschweine pro Jahr. Die Tiere leben ganzjährig auf Weiden ausserhalb des Dorfs und können ihren natürlichen Trieben und Bedürfnissen nachgehen. Auf der riesigen Weide verteilt stehen frei zugängliche Futtertröge sowie hitze- und kälteisolierte Iglus und Schattenplätze, wo sich die Tiere zurückziehen können. Das klingt nach wenig Arbeit für den Landwirt! Alfred Vogt winkt ab: «Ich kontrolliere täglich, ob alle Tiere gesund und unverletzt sind. Eine zeitaufwändige Arbeit, denn viele Tiere dösen in den Iglus. Um mich zu vergewissern, dass sie wirklich fit sind, muss ich alle kurz aus den Iglus treiben.»

Ein Mastzyklus dauert rund vier Monate. In dieser Zeit nehmen die Tiere täglich 800 bis 900 Gramm zu, bis sie das Schlachtgewicht von rund 100 Kilo erreicht haben. Alfred Vogt: «Weil die Weideschweine viel aktiver sind und sich mehr bewegen, brauchen sie deutlich mehr Futter als Schweine in Stallhaltung.» Um ein Kilo Körpergewicht zuzulegen, braucht ein Weideschwein bis zu drei Kilo Futter.

Auch wenn die Tiere eine saftige Wiese nach wenigen Wochen in einen Acker verwandeln – satt werden sie vom Gras natürlich nicht. Sie brauchen ein spezielles Futtermehl aus Getreide und einem Eiweissspender. Das Futtermehl bezieht Alfred Vogt von der Getreidemühle im Dorf.

Nahrungsmittel statt Tierfutter anbauen

Die Trinkwasser-Initiative verlangt, dass Bauern nur noch so viele Tiere auf ihrem Hof halten dürfen, wie sie mit hofeigenem Futter versorgen können. Ansonsten bekommen sie keine Direktzahlungen mehr. Alfred Vogt sagt: «Von der Fläche her, könnte ich das Futter für meine Schweine selbst anbauen. Nur: Das ginge dann zulasten des Brotgetreides. Und ich bin überzeugt, dass es wertvoller ist, das Getreide für unsere Lebensmittel regional anzubauen, anstatt das Futter für die Tiere!»

Alle vier Monate kommen die Schweine auf eine neue Weide. Sie sind fix in die Fruchtfolge eingeplant. Auf der ehemaligen Schweineweide kann Alfred Vogt eigentlich wieder alles anbauen. Jetzt im Frühling zum Beispiel gibt es Mais. Frühestens im dritten Jahr der Fruchtfolge dürfen dann wieder Schweine auf die Weide. Das ist von Gesetzes wegen streng geregelt, damit der Nährstoffhaushalt stimmt.

Da die Säulirennen in der Hauptsaison von August bis Oktober sehr zeitaufwändig sind, und Alfred Vogt mit den Tieren viel unterwegs ist, musste er die Milchwirtschaft mit ihrem starren Zeitplan irgendwann aufgeben. Er sagt: «Dieser Entscheid fiel mir äusserst schwer. Ich habe immer sehr gerne mit den Kühen gearbeitet.»

Herbizidfreier Anbau

Heute zieht er in seinem Laufstall für zwei andere Betriebe rund 40 Rinder auf. Mit 120 Legehennen produziert er Eier. Daneben baut er Raps, Weizen, Kartoffeln, Sonnenblumen und Mais an. Stolz sagt er: «Beim Weizen arbeite ich pestizidfrei und bekämpfe Unkraut mechanisch mit dem Striegel. Beim Raps und den Sonnenblumen bekämpfe ich das Unkraut mit einer speziellen Untersaat.» 

Aber gerade der Raps sei eine anfällige Kultur. Rapserdfloh, Stängelrüssler und Glanzkäfer seien eine grosse Bedrohung. Hier verfährt Alfred Vogt nach dem Ideal von IP Suisse, in dessen Kantonalvorstand er sitzt: «Ich schreite erst mit einem Pflanzenschutzmittel ein, wenn es sich nicht mehr vermeiden lässt. Das bedingt aber viele zeitaufwändige Kontrollen und Nerven, in denen man versucht, das Ausmass des Schädlingsbefalls abzuschätzen.» Alfred Vogt ist zuversichtlich, dass es ihm dieses Jahr gelingt, auf jeglichen chemischen Pflanzenschutz zu verzichten. Der Lohn dafür: bessere Preise und spezielle Fördergelder.

«Auch wenn die beiden Initiativen abgelehnt werden», was Vogt hofft und erwartet, «wird die Landwirtschaft immer ökologischer und nachhaltiger. Da laufen seit Jahren grosse Anstrengungen. Und das ist gut so!»

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Betriebsspiegel

Landwirtschaftliche Nutzfläche 35.7 ha
Winterweizen 11 ha
Raps 4.8 ha
Kartoffeln 3.0 ha
Sonnenblumen 2.0 ha
Kunstwiese 2.0 ha
Silomais 0.6 ha
Körnermais 2.0 ha
Naturwiesen 5.3 ha
Extensive Wiesen 4.5 ha
Blühstreifen 0.3 ha
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