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Trinkwasser-Initiative: Botschaften & Faktencheck
Trinkwasser-Initiative: Botschaften & Faktencheck

 

«Wir subventionieren unsere eigene Wasserverschmutzung»

Wasserverschmutzung wird sanktioniert, nicht subventioniert. Wenn Bauern Auflagen zum Gewässerschutz verletzen, gibt es ein Strafverfahren sowie eine Kürzung der Direktzahlungen. Die aktuellen Direktzahlungen fördern gezielt eine extensive Produktion. Der Ausschluss aus den Direktzahlungen würde die einheimische Lebensmittelproduktion intensivieren. Die Biodiversitätsflächen würden zurückgehen. Zwei Studien belegen: Die Initiative bewirkt das Gegenteil ihrer eigentlichen Absicht. Das Trinkwasser ist bei uns so sauber wie kaum anderswo auf der Welt. Es lässt sich bedenkenlos trinken.

 

«Zu viel Gülle durch Importfutter»

Jeder Betrieb muss nachweisen, dass seine Nährstoffbilanz ausgeglichen ist. Er darf nicht mehr Hofdünger und somit Nährstoffe ausbringt, als seine Kulturen brauchen. Hofdünger haben einen positiven Einfluss auf das Bodenleben und fördern die Humusbildung. Hofdünger ersetzen Kunstdünger, die wir aus dem Ausland importieren. Fazit: Futterimporte ersetzen Düngerimporte.

 

«Umweltgift Ammoniak»

Die Schweiz hält das internationale Abkommen bezüglich Ammoniak ein. Die natürlichen Prozesse der Tierhaltung und die tierfreundlichen Schweizer Haltungssysteme führen zwangsläufig zu gewissen Ammoniakemissionen. Die Tierhaltung in der Schweiz bei gleichbleibendem Konsum zu reduzieren, führt zu Mehrimporten mit höherer globaler Umweltbelastung.

 

«Wo Schweiz drauf, soll Schweiz drin sein»

Die Kreisläufe auf den Schweizer Betrieben sind geschlossen. Dafür sorgt die vorgeschriebene ausgeglichene Nährstoffbilanz. Der Hofdüngeraustausch wird auf nationaler Ebene überwacht und kontrolliert. 85 Prozent des Futters stammt aus der Schweiz. Bei den Raufutterverzehrern sind es gar 90 Prozent. Die Anforderungen an die Importe sind hoch: Sie müssen gentechfrei und in Bezug auf Sozial- und Umweltstandards zertifiziert sein.

 

«Schweizer Seen ersticken»

Dieses Problem von heute hat seine Ursache im gestern. In Seen mit wenig Durchfluss und Umwälzung wie Sempacher-, Hallwiler-, Baldegger- oder Zugersee verläuft der Abbau des problematischen Phosphors sehr langsam. Weshalb die Folgen der Rückstände vergangener Zeiten bis heute spürbar sind. Die heutigen Regelungen verhindern Nährstoffeinträge und damit neue Belastungen dieser Seen.

 

«Antibiotika als Heilmittel ja. Antibiotika als Prophylaxe: nein.»

Einverstanden. Jede Antibiotikabehandlung bedingt eine Verschreibung durch den Tierarzt. Jeder Einsatz wird in einer Datenbank erfasst. Die Landwirtschaft hat den Einsatz von Antibiotika in den letzten zehn Jahren halbiert.

 

«Akut bedroht: Bienen, Insekten, Vögel, …»

Die Landwirtschaft stellt 165'000 ha Biodiversitätsförderflächen zur Verfügung und leistet einen wesentlichen Beitrag für eine vielfältige Tier- und Pflanzenwelt. Die Umweltziele bei der Biodiversität sind alle erreicht oder übertroffen. Mit der Petition «Insektensterben aufklären» setzen wir uns für wirksame Massnahmen gegen das Insektensterben ein. Der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln z.B. gegen Schadinsekten ist so geregelt, dass Nützlinge und andere Insekten geschont werden. Viele kritische Mittel sind heute verboten. Immer häufiger kommen biologische Mittel zum Einsatz.

 

«Pestizide in Gewässern und Trinkwasser»

Unser Trinkwasser ist von einwandfreier Qualität und lässt sich bedenkenlos geniessen. Bei den im ackerbaulich genutzten Mittelland gefundenen Rückständen handelt es sich um Stoffe aus Landwirtschaft und Gesellschaft, welche die Wissenschaft als unbedenklich («nicht relevant») einstuft. Handlungsbedarf gibt es speziell bei kleinen und mittleren Fliessgewässern. Dort setzt der Aktionsplan Pflanzenschutzmittel mit 51 verschiedenen Massnahmen an. Die Landwirtschaft macht ihre Hausaufgaben. In grossen Oberflächengewässern zeigen die Rückstandsanalysen folgendes Bild: Jedes Jahr fliessen 64.8 t Industrie- und Haushaltschemikalien, 19.8 t künstliche Süssstoffe, 16.9 t Arzneimittel und 0.9 t Pflanzenschutzmittel z.B. den Rhein hinunter.

 

«Der Bund schützt unser Trinkwasser nicht»

Kritikpunkt ist die vom Bundesamt für Umwelt vorgeschlagene Einführung von ökologischen Qualitätskriterien bei der Festlegung der Anforderungswerte. Aktuell beträgt dieser bei allen Pflanzenschutzmitteln 0.1 µg. Bei Glyphosat führt das zu einer Erhöhung des Anforderungswerts auf 360 µg/l. Bei für Gewässerorganismen problematischen Stoffen sinkt hingegen der Anforderungswert (Beispiel Cypermethrin aktuell: 0.1 µg, neu: 0.00003 µg). Glyphosat gilt für Gewässerorganismen als wenig gefährlich. Die Landwirtschaft ist dennoch gegen die Erhöhung bei Glyphosat. Im Trinkwasser findet man auch Rückstände von Industrie- und Haushaltschemikalien, Süssstoffen oder Medikamenten. Für diese gibt es überhaupt keine Anforderungswerte.

Der Bund hat bereits zahlreiche Gesetze und Auflagen zum Schutz des Trinkwassers erlassen. Bei der Umsetzung haben aber verschiedene Kantone ihre Hausaufgaben nicht gemacht: 42 Prozent der Grundwasserschutzzonen sind nicht bundesrechtskonform ausgeschieden.

 

«Pestizid-Poker»

Der Rückzug einst bewilligter Mittel zeigt, dass unser System funktioniert und bei Bedarf gehandelt wird. Es ist normal, dass im Verlauf der Zeit neue Erkenntnisse gewonnen und darauf basierend Anwendungsauflagen angepasst oder ein Produkt von Markt genommen werden müssen. Das gleiche Verfahren kommt auch in anderen Bereichen, z.B. bei Medikamenten, zur Anwendung. Die Initiative hat keinen Einfluss auf das Zulassungsverfahren.

 

«Welche Pestizide sind von der Initiative betroffen?»

Der Initiativtext will Direktzahlungen auf Betriebe mit «pestizidfreier Produktion» beschränken. Gemäss offizieller Definition zählen alle Pflanzenschutzmittel und Biozide zu den Pestiziden, egal ob sie natürlichen oder synthetischen Ursprungs sind. Damit ist auch der Biolandbau von der Initiative betroffen und die dort zugelassenen Mittel könnten nicht mehr eingesetzt werden.

 

«Nicht teurer, aber gesünder»

Genau das Gegenteil dieser Behauptung der Initianten ist der Fall: Mit der Initiative wird die Produktion nicht gesünder, aber teurer. Mehr Importe führen zu mehr Rückständen auf dem Lebensmittelangebot. Bei den risikobasierten amtlichen Kontrollen gibt es bei lediglich 1 bis 2 Prozent der Proben aus Schweizer Herkunft Beanstandungen. Sind die importierten Lebensmittel mitberücksichtigt, liegt die Quote bei 8 bis 10 Prozent. Bei Lebensmitteln aus Asien liegt sie gar bei 30 Prozent. Die extrem hohen Anforderungen an die Schweizer Produktion verteuern einheimische Lebensmittel.

 

«Höherer Pestizideinsatz als im Ausland»

Das ist hartnäckige «Fake News». Gemäss der Verkaufsstatistik des Bundesamts für Landwirtschaft, den Zahlen der Agroscope und OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) ist der Einsatz in der Schweiz klar tiefer als im Ausland. Im Vergleich mit Deutschland setzen wir 42 Prozent weniger Pflanzenschutzmittel ein. Zudem sind in unserer Statistik alle natürlichen Wirkstoffe und biologischen Mittel mitgerechnet, im Ausland fehlen diese.

 

«Weniger Food Waste – weniger Importe»

Realistisch ist: Gleich viel Food Waste – mehr Importe. Die Verschwendung bei Lebensmitteln ist effektiv hoch. Rund 40 Prozent schafft den Weg vom Feld in den Magen nicht. Die Gründe dafür sind vielfältig: Enorm strenge Vorgaben an Aussehen, Form oder Qualität der Zwischen- und Detailhändler sowie hohe Qualitätserwartungen der Konsumenten. Z Anspruch an Perfektion für ein Naturprodukt kommen eng gesetzte Ablaufdaten, nicht bedarfsgerechte Einkäufe, schlechtes «Resten»-Management und Ähnliches mehr. Die Initiative hat auf keinen dieser Punkte einen Einfluss. Weil die einheimische Produktion und deren Qualität sinken würde, wären Mehrimporte nötig.

 

«Landwirtschaft hält die Umweltziele nicht ein»

Die vier Umweltziele Landwirtschaft werden in 39 Unterziele unterteilt. Davon gelten gemäss Bundesrat sieben (18 Prozent) als erreicht, für neun (23 Prozent) ist zurzeit keine Aussage möglich und die verbleibenden 23 (59 Prozent) erhalten den Status «nicht erreicht». Wobei der Erfüllungsgrad bei den Etappenzielen der letzten Kategorie in vielen Fällen zwischen 80 und 93 Prozent liegt: Steigerung der Stickstoffeffizienz (91 Prozent), Steigerung Phosphoreffizienz (84 Prozent), Senkung Ammoniakemissionen (85 Prozent) oder Phosphorgehalt der Seen (80 Prozent). Für neun weitere Teilziele aus den Bereichen Landschaft, Wasser und Boden fehlt eine gesamtschweizerische Übersicht oder es existieren keine Indikatoren. Bis heute gibt es für keinen anderen Wirtschaftssektor Umweltziele.

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